Die Sole-Wasser-Wärmepumpe holt die Heizwärme aus dem Erdreich und zählt zu den effizientesten Wärmepumpen-Bauarten. Trotzdem steckt sie in nur etwa jeder zwanzigsten neu eingebauten Heizungs-Wärmepumpe. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wann sich Erdwärme im Altbau wirklich lohnt, was sie kostet und warum sie bei der Förderung einen Bonus bekommt, den die Luftwärmepumpe nicht erhält.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Sole-Wasser-Wärmepumpe nutzt die ganzjährig konstante Temperatur im Erdreich und erreicht dadurch in der Praxis höhere Jahresarbeitszahlen als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe.
- Für die Wärmequelle gibt es zwei Wege: die platzsparende Erdsonde (Tiefenbohrung) oder den günstigeren Flächenkollektor mit hohem Flächenbedarf.
- Im Altbau ist die entscheidende Frage nicht die Wärmepumpe selbst, sondern die nötige Vorlauftemperatur des Heizsystems.
- Über das KfW-Programm 458 sind bis zu 70 Prozent Zuschuss möglich. Für die Wärmequelle Erdreich gibt es zusätzlich den Effizienzbonus von 5 Prozent.
- Eine Erdsonde braucht eine wasserrechtliche Genehmigung. In Wasserschutzgebieten ist die Bohrung oft gar nicht erlaubt.
- Eine elektrische Wärmepumpe gilt im Gebäudeenergiegesetz als Erfüllungsoption der 65-Prozent-Pflicht.
Was eine Sole-Wasser-Wärmepumpe vom Standardmodell unterscheidet
Jede Wärmepumpe entzieht einer Umweltquelle Wärme und hebt sie mit Strom auf ein nutzbares Temperaturniveau. Der Unterschied liegt in der Quelle. Die verbreitete Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt die Außenluft, deren Temperatur im Winter genau dann einbricht, wenn Sie am meisten Wärme brauchen.
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe nutzt stattdessen das Erdreich. Ab mehreren Metern Tiefe liegt die Temperatur im Erdreich ganzjährig je nach Region meist zwischen etwa 8 und 12 Grad, weitgehend unabhängig vom Wetter. Eine Wasser-Glykol-Mischung, die sogenannte Sole, zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf durch das Erdreich, nimmt diese Wärme auf und gibt sie an die Wärmepumpe ab. Weil die Quelle warm und stabil bleibt, muss die Wärmepumpe weniger Arbeit leisten.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Diese nutzt nicht das Erdreich, sondern direkt das Grundwasser über einen Förder- und einen Schluckbrunnen. Sie arbeitet oft noch etwas effizienter, hat aber andere Genehmigungs- und Wartungsanforderungen. Wer die Effizienz der Erdwärme grundsätzlich mit der Außenluft vergleichen möchte, findet die Details in unserem Beitrag zur Luft-Wasser-Wärmepumpe.
Erdsonde oder Flächenkollektor: zwei Wege zur Erdwärme
Für die Erschließung der Erdwärme gibt es zwei gängige Varianten, die sich in Platzbedarf, Kosten und Genehmigung deutlich unterscheiden.
Die Erdwärmesonde ist eine senkrechte Bohrung, meist zwischen 50 und 150 Meter tief. Sie braucht an der Oberfläche kaum Platz und liefert die stabilsten Temperaturen, ist in der Erschließung aber die teurere Variante. Für ein Einfamilienhaus reichen je nach Heizlast eine oder zwei Bohrungen.
Der Flächenkollektor wird waagerecht in etwa 1,2 bis 1,5 Meter Tiefe verlegt. Er ist günstiger, braucht dafür aber viel Fläche. Als Richtwert gelten grob das Anderthalb- bis Doppelte der zu beheizenden Wohnfläche an freier, unversiegelter Gartenfläche, die später nicht bebaut oder tief bepflanzt werden darf. Auf vielen Altbau-Grundstücken ist dieser Platz schlicht nicht vorhanden.
Mein Tipp aus der Praxis: Klären Sie die Erschließungsart früh, denn sie entscheidet oft schon über die Machbarkeit. Wo kein Platz für den Kollektor ist und die Bohrung am Standort nicht erlaubt wird, fällt die Erdwärme als Option aus, bevor es um Geräte oder Förderung geht.
Eignet sich Erdwärme für Ihren Altbau?
Die häufigste Fehlannahme lautet, eine Wärmepumpe funktioniere im Altbau grundsätzlich nicht. Das stimmt so nicht. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, also die Temperatur, mit der das Heizwasser in die Heizflächen läuft.
Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger diese Vorlauftemperatur ist. Bei einer Fußbodenheizung mit rund 35 Grad spielt die Erdwärmepumpe ihre Stärke voll aus. Viele Altbauten heizen jedoch mit Heizkörpern, die ursprünglich für 70 Grad ausgelegt wurden. Sinkt die nötige Vorlauftemperatur durch eine bessere Gebäudehülle und richtig dimensionierte Heizflächen in den Bereich um 50 bis 55 Grad, lässt sich auch ein Bestandsgebäude mit Heizkörpern wirtschaftlich mit Erdwärme beheizen.
Daraus folgt die richtige Reihenfolge. Zuerst gehört die Gebäudehülle auf einen sinnvollen Stand und die Heizlast berechnet, erst dann wird die Wärmepumpe ausgelegt. Wer diese Schritte überspringt, riskiert eine überdimensionierte Anlage und eine enttäuschende Jahresarbeitszahl. Welche baulichen Voraussetzungen im Bestand zählen, vertiefen wir im Beitrag Wärmepumpe im Altbau.
Die Jahresarbeitszahl beschreibt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht. In der Praxis liegen Sole-Wasser-Wärmepumpen meist höher als Luft-Wasser-Geräte. Konkrete Zahlen aus Prospekten sollten Sie aber nie ohne den Bezug zur tatsächlichen Vorlauftemperatur und zum konkreten Gebäude übernehmen. Erst die Heizlastberechnung zeigt, was Ihr Haus erreicht.
Genehmigung: Warum die Erdsonde früh zur Behörde muss
Ein Punkt, der in vielen Ratgebern untergeht: Eine Erdwärmesonde dürfen Sie nicht einfach bohren lassen. Die Bohrung greift in den Untergrund und das Grundwasser ein und ist deshalb nach Wasserrecht anzeigepflichtig oder erlaubnispflichtig. Zuständig ist in der Regel die untere Wasserbehörde, meist beim Landratsamt.
In Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten ist die Bohrung häufig ganz untersagt. Ob an Ihrem Standort gebohrt werden darf, lässt sich vorab über die Auskunftssysteme der Landesämter für Geologie einschätzen, die verbindliche Entscheidung trifft aber die Behörde im Einzelfall.
Planen Sie für dieses Verfahren ausreichend Vorlauf ein. Zwischen Antrag und Genehmigung können mehrere Monate liegen. Dieser Schritt gehört früh in die Planung, damit er nicht zum Engpass wird, wenn die alte Heizung bereits am Ende ist.
Was eine Sole-Wasser-Wärmepumpe kostet
Erdwärme ist in der Anschaffung teurer als eine Luftwärmepumpe, weil die Wärmequelle erschlossen werden muss. Die folgenden Spannen sind marktübliche Richtwerte zur Orientierung, keine belastbaren Angebotspreise. Die tatsächlichen Kosten hängen von Heizlast, Bohrtiefe, Bodenbeschaffenheit und dem Zustand Ihres Heizsystems ab.
Grob bewegen sich die Gesamtkosten für ein Einfamilienhaus inklusive Gerät, Erschließung und Installation im mittleren bis oberen Fünfstelligen-Bereich, wobei die Erdsonde teurer ausfällt als der Flächenkollektor. Hinzu kommen im Altbau oft Anpassungen am Heizsystem, etwa der Austausch einzelner Heizkörper oder der hydraulische Abgleich.
Diese Zahl wirkt zunächst hoch. Entscheidend ist aber, was nach Förderung und über die Lebensdauer übrig bleibt. Eine effiziente Erdwärmepumpe verbraucht weniger Strom als eine Luftwärmepumpe und senkt die Betriebskosten dauerhaft. Den belastbaren Preis liefert am Ende nur ein konkretes Angebot auf Basis einer Heizlastberechnung.
Förderung 2026: Wo die Erdwärme einen Vorteil hat
Der Heizungstausch zu einer Wärmepumpe wird über das KfW-Programm 458 als Zuschuss gefördert. Die Förderung setzt sich aus einer Grundförderung und mehreren Boni zusammen, die addiert werden.
Den Kern bildet die Grundförderung von 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Darauf kommen, je nach Ihrer Situation, weitere Boni:
- Effizienzbonus von 5 Prozent für Wärmepumpen mit der Wärmequelle Erdreich, Wasser oder Abwasser oder mit natürlichem Kältemittel. Genau hier hat die Sole-Wasser-Wärmepumpe einen Vorsprung, denn sie erfüllt diese Bedingung über die Wärmequelle Erdreich automatisch.
- Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent beim Austausch einer noch funktionstüchtigen Öl-, Gas- oder Kohleheizung, bei Anträgen bis Ende 2028, danach sinkt er stufenweise. Er gilt für selbstnutzende Eigentümer sowie für private Eigentümer vermieteter Einfamilienhäuser und von Eigentumswohnungen, nicht für jeden Antragsteller.
- Einkommensbonus von 30 Prozent für selbstnutzende Eigentümer mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen bis 40.000 Euro.
Alle Boni zusammen sind bei 70 Prozent der förderfähigen Kosten gedeckelt. Die förderfähigen Kosten liegen bei der ersten Wohneinheit bei 30.000 Euro.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Tauscht ein selbstnutzender Eigentümer mit einem Haushaltseinkommen bis 40.000 Euro seine alte Ölheizung gegen eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, kommen Grundförderung, Effizienzbonus, Klimageschwindigkeits- und Einkommensbonus zusammen auf den Deckel von 70 Prozent. Bei 30.000 Euro förderfähigen Kosten sind das ein Zuschuss von 21.000 Euro. Welche Boni in Ihrem Fall greifen, hängt von Heizungsart, Einkommen und Zeitpunkt ab.
Beachten Sie die Kombination mit anderen Wegen. Wer die KfW-Förderung nutzt, kann für dieselbe Maßnahme nicht zusätzlich den Steuerbonus nach § 35c EStG geltend machen. Sie wählen also einen der beiden Wege.
Wichtig ist die Reihenfolge bei der Antragstellung. Erst wird die Bestätigung zum Antrag durch einen Energieeffizienz-Experten oder ein Fachunternehmen erstellt, dann wird ein Liefer- oder Leistungsvertrag mit aufschiebender oder auflösender Bedingung und einem voraussichtlichen Umsetzungsdatum geschlossen, anschließend der Zuschuss beantragt. Mit der Umsetzung sollten Sie erst nach der Zusage starten. Den passenden Fachpartner finden Sie über die Energieeffizienz-Experten-Liste.
GEG: Warum der Zeitpunkt zählt
Das Gebäudeenergiegesetz verlangt, dass neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Eine elektrische Wärmepumpe gilt dabei nach § 71c GEG als Erfüllungsoption, wenn sie den Wärmebedarf des Gebäudes deckt. Das Gesetz ist technologieoffen, die Wärmepumpe ist eine von mehreren zulässigen Erfüllungsoptionen.
Für bestehende Gebäude greift die Pflicht nicht überall sofort. Sie ist an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt. In größeren Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern gilt sie spätestens bis zum Ablauf des 30. Juni 2026, in kleineren Gemeinden bis zum Ablauf des 30. Juni 2028. Früher kann sie greifen, wenn die Gemeinde ein Gebiet gesondert zum Auf- oder Ausbau eines Wärmenetzes oder zur Wasserstoffversorgung ausweist, und zwar einen Monat nach Bekanntgabe dieser Entscheidung.
Für Eigentümer in der Region Heilbronn-Franken heißt das je nach Wohnort ein unterschiedlicher Stichtag. Wer ohnehin über einen Heizungstausch nachdenkt, plant am besten vorausschauend, statt unter Zeitdruck im Havariefall zu entscheiden. Wie die Anforderungen beim Einbau konkret aussehen, lesen Sie im Beitrag Wärmepumpe und Installation nach GEG. Den vollständigen Gesetzestext finden Sie in § 71 GEG.
Fazit
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe zählt zu den effizientesten, aber auch aufwendigsten Wärmepumpen-Bauarten. Im Altbau lohnt sie sich vor allem dort, wo die Vorlauftemperatur in einen vernünftigen Bereich gebracht werden kann und das Grundstück die Erschließung erlaubt, sei es über eine genehmigte Bohrung oder einen Flächenkollektor.
Ihr Vorteil bei der Förderung ist konkret. Über den Effizienzbonus erhält Erdwärme 5 Prozentpunkte mehr als die Standard-Luftwärmepumpe, und in Summe sind bis zu 70 Prozent Zuschuss möglich. Ob sich der höhere Aufwand für Ihr Gebäude rechnet, zeigt eine ehrliche Eignungsprüfung mit Heizlastberechnung. Einen Überblick über alle Bauarten und die Auswahl der passenden Technik gibt unsere Pillar-Seite zur Wärmepumpe.
Häufige Fragen
Ist eine Sole-Wasser-Wärmepumpe im Altbau überhaupt sinnvoll?
Ja, wenn die Vorlauftemperatur des Heizsystems in einen niedrigen Bereich, häufig etwa 50 bis 55 Grad oder darunter, gebracht werden kann. Das gelingt durch eine bessere Gebäudehülle, größere Heizflächen oder einen Heizkörpertausch. Eine Fußbodenheizung ist ideal, aber keine zwingende Voraussetzung.
Was ist der Unterschied zwischen Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpe?
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe entzieht dem Erdreich über einen geschlossenen Solekreislauf Wärme, entweder per Erdsonde oder Flächenkollektor. Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe nutzt direkt das Grundwasser über einen Förder- und einen Schluckbrunnen. Beide unterscheiden sich in Genehmigung, Aufwand und Effizienz.
Brauche ich für die Erdwärmesonde eine Genehmigung?
Ja. Die Bohrung ist nach Wasserrecht anzeige- oder erlaubnispflichtig, zuständig ist meist die untere Wasserbehörde beim Landratsamt. In Wasserschutzgebieten ist sie häufig nicht erlaubt. Planen Sie für das Verfahren mehrere Monate Vorlauf ein.
Wie hoch ist die Förderung für eine Erdwärmepumpe 2026?
Über das KfW-Programm 458 sind bis zu 70 Prozent Zuschuss möglich. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent, dazu kommt für Erdwärme der Effizienzbonus von 5 Prozent sowie je nach Situation der Klimageschwindigkeits- und der Einkommensbonus.
Lohnt sich die teurere Erdwärme gegenüber einer Luftwärmepumpe?
Erdwärme ist in der Anschaffung teurer, arbeitet dafür effizienter und senkt die Betriebskosten dauerhaft. Ob sich der Mehraufwand über die Lebensdauer rechnet, hängt vom Gebäude, vom Platz für die Erschließung und von den Stromkosten ab und sollte im Einzelfall berechnet werden.





