Verschiedene Dämmstoffe im Vergleich: Mineralwolle, EPS, Holzfaser und Zellulose nebeneinander

Welcher Dämmstoff für welches Bauteil? Die Entscheidungshilfe für die Altbausanierung

EPS, Mineralwolle, Holzfaser, Kalziumsilikat: Der Markt bietet Dutzende Dämmstoffe, und die Wahl des falschen Materials kann teuer werden. Als Energieberater erlebe ich regelmäßig, dass Eigentümer mit einer Empfehlung zum Fachbetrieb gehen, die nicht zu ihrem Bauteil passt. Das Ergebnis sind verpasste Fördervoraussetzungen oder im schlimmsten Fall Feuchte- und Brandschutzprobleme. Dieser Artikel zeigt Ihnen konkret, welcher Stoff für welches Bauteil geeignet ist, welche U-Werte für die BAFA-Förderung gelten und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Das Wichtigste in Kürze
  • Nicht jeder Dämmstoff passt zu jedem Bauteil. Zellulose zum Beispiel ist für die Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk ungeeignet.
  • Für die Fassade dominieren EPS und Mineralwolle. Beim EPS-WDVS müssen die Brandschutzvorgaben der jeweiligen Systemzulassung eingehalten werden.
  • Für die Dachschräge brauchen Sie mit Mineralwolle WLS 035 in der Zwischensparrendämmung 28 bis 32 cm Dicke, damit der BAFA-Zielwert von 0,14 W/(m²·K) erreicht wird.
  • Für die Innendämmung ist eine bauphysikalische Feuchteprüfung dringend zu empfehlen und je nach Konstruktion erforderlich.
  • BAFA-Förderung: 15 % Grundförderung, plus 5 % iSFP-Bonus. Naturdämmstoffe sind genauso förderfähig wie EPS, solange der U-Wert stimmt.
  • Förderfalle Kerndämmung: BAFA und Steuerbonus verlangen für Wohngebäude λ ≤ 0,035 W/(m·K). Die GEG-Erleichterung für eingeblasene oder nachwachsende Dämmstoffe (λ ≤ 0,045) gilt nicht für Förderwege.
  • Für dieselbe Maßnahme dürfen BEG-Zuschuss und steuerliche Förderung nach § 35c EStG nicht kombiniert werden. Für unterschiedliche Maßnahmen am Gebäude kann je Maßnahme ein anderer Förderweg gewählt werden.

Dämmstoffe auf einen Blick: die wichtigsten Eigenschaften

Bevor Sie sich für einen Stoff entscheiden, lohnt ein Blick auf die wichtigsten Kenngrößen. Der Lambda-Wert (λ) beschreibt, wie gut ein Material Wärme leitet. Je niedriger der Wert, desto besser dämmt das Material. Die Brandklasse bestimmt, welche Gebäudeklassen und Bauteile einen bestimmten Stoff zulassen. Der Diffusionswiderstand gibt an, wie gut Wasserdampf durch das Material wandern kann.

Dämmstoffλ (W/m·K)BrandklasseDiffusionTypisches Bauteil
EPS (Polystyrol, Styropor)0,031–0,040B1 (schwer entflammbar)schwach diffusionsoffenFassade (WDVS), Kellerdecke
XPS (extrudiertes Polystyrol)0,030–0,038je nach ProduktdiffusionsdichtPerimeter (drückendes Wasser), Umkehrdach
Mineralwolle Steinwolle0,033–0,040A1 (nicht brennbar)sehr diffusionsoffenWDVS, Dachschräge, Brandriegel
Mineralwolle Glaswolle0,032–0,044A1/A2sehr diffusionsoffenDachschräge (Klemmfilz), Kellerdecke
PUR / PIR0,022–0,028je nach Produktschwach diffusionsoffenAufsparrendämmung, Flachdach, Kellerdecke
Holzfaser0,037–0,050je nach ProduktdiffusionsoffenWDVS, Dachschräge, Innendämmung
Zellulose0,036–0,042je nach ProduktdiffusionsoffenDachschräge (Einblasen), oberste Geschossdecke
Kalziumsilikat0,050–0,065A1 (nicht brennbar)kapillaraktiv, sehr diffusionsoffenInnendämmung (Schimmelschutz)
Schaumglas0,036–0,048A1dampfdichtPerimeter bei drückendem Wasser, Umkehrdach
Perlite-Granulat0,045–0,065A1diffusionsoffenKerndämmung (Einblasen), oberste Geschossdecke

Die Tabelle zeigt typische Bandbreiten und Kategorien. Für das Brandverhalten gilt: Immer das produktspezifische Datenblatt und die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des konkreten Systems prüfen. Einzelne Brandklassen können je nach Produkt, Systemzulassung und Einbausituation abweichen. Kosten und verfügbare Dicken variieren je nach Hersteller und Region.

Schichtaufbau einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade mit Mineralwolle und Alu-Unterkonstruktion

Welcher Dämmstoff passt zu welchem Bauteil?

Die Eignung eines Dämmstoffs hängt von drei Faktoren ab: der Bauphysik des Bauteils (Feuchte, Druck, Brandlast), den technischen Anforderungen (U-Wert oder λ-Wert) und den Fördervoraussetzungen. Im Folgenden gehe ich Bauteil für Bauteil durch.

Außenwand / Fassade (WDVS)

Das Wärmedämmverbundsystem ist bei der Fassadendämmung die häufigste Lösung im Altbau. Die Wahl des Dämmstoffs entscheidet dabei auch über den Brandschutz. EPS (Brandklasse B1) gehört zu den günstigsten und am häufigsten eingesetzten Dämmstoffen im WDVS. Er hat gute Lambda-Werte und ist leicht zu verarbeiten.

Bei EPS-WDVS müssen die Brandschutzvorgaben der jeweiligen allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung beziehungsweise Systemzulassung eingehalten werden. Je nach Gebäudehöhe, Dämmstoffdicke und System können Brandriegel aus nichtbrennbarer Mineralwolle, Sturzschutz oder andere konstruktive Brandschutzmaßnahmen erforderlich sein. Die genaue Ausführung legt das zugelassene WDVS-System fest.

Steinwolle-WDVS ist nichtbrennbar und wird häufig gewählt, wenn höhere Brandschutzanforderungen bestehen. Auch hier gelten die Vorgaben des jeweiligen Systems, zusätzlich bringt Steinwolle bessere Schallschutzwerte. Holzfaserplatten bieten einen ökologischen Vorteil und guten sommerlichen Hitzeschutz, benötigen aber mehr Dämmdicke und sind teurer. Zu den genauen Systemunterschieden lesen Sie auch: Fassadendämmung 2026: Vorteile, Voraussetzungen und Förderung.

BAFA-Anforderung: U ≤ 0,20 W/(m²·K). GEG Anlage 7: U ≤ 0,24 W/(m²·K) bei Sanierungsmaßnahmen, die mehr als 10 % der gesamten Außenwandfläche betreffen (§ 48 Abs. 2 GEG).

Dachschräge

Bei der Dachschräge hängt die Methode von der vorhandenen Sparrentiefe ab. Die Zwischensparrendämmung mit Mineralwolle-Klemmfilz ist die wirtschaftlichste Lösung, wenn ausreichend Tiefe vorhanden ist. Hier müssen Sie jedoch den Holzanteil der Sparren in die Berechnung einbeziehen: Holz leitet Wärme deutlich besser als Mineralwolle, weshalb der tatsächliche U-Wert schlechter ausfällt als bei einer durchgehenden Dämmschicht.

Um den BAFA-Anforderungswert von 0,14 W/(m²·K) mit reiner Zwischensparrendämmung zu erreichen, benötigen Sie bei Mineralwolle WLS 035 etwa 28 bis 32 cm Dämmdicke, bei WLS 032 sind es 24 bis 28 cm. Diese Zahlen sind Orientierungsgrößen. Der tatsächlich erforderliche Wert folgt aus der bauphysikalischen Berechnung für Ihr konkretes Bauteil.

Wenn die Sparrentiefe nicht ausreicht, kommen ergänzende Methoden in Frage: Aufsparrendämmung mit PUR/PIR-Platten (sehr guter λ-Wert, geringe Dicke), Holzfaser (guter Hitzeschutz) oder eine Kombination aus Zwischen- und Untersparrendämmung. Details zur Wahl zwischen beiden Methoden: Aufsparrendämmung oder Zwischensparrendämmung? Die Entscheidungshilfe für Altbaueigentümer.

BAFA-Anforderung: U ≤ 0,14 W/(m²·K). GEG Anlage 7: U ≤ 0,24 W/(m²·K).

Oberste Geschossdecke

Wenn der Dachboden nicht ausgebaut ist, lässt sich die oberste Geschossdecke besonders einfach und günstig dämmen. Zellulose oder Mineralwolle-Flocken werden drucklos aufgeblasen. Das Verfahren heißt korrekt Aufblasen, nicht Einblasen, weil es ohne Druck auf einer offenen Fläche erfolgt. Häufig ist die Maßnahme innerhalb kurzer Zeit umsetzbar, je nach Fläche und Zugänglichkeit auch innerhalb eines Tages.

Für die oberste Geschossdecke gilt laut § 47 GEG eine gesetzliche Nachrüstpflicht: Der U-Wert muss 0,24 W/(m²·K) einhalten, sofern die Decke bisher nicht gedämmt ist. Für Wohngebäude mit höchstens zwei Wohnungen gibt es Sonderregeln: Hat der Eigentümer eine Wohnung bereits am 01.02.2002 selbst bewohnt, greift die Nachrüstpflicht erst nach einem Eigentümerwechsel, und der neue Eigentümer hat dann zwei Jahre Zeit. Außerdem gilt die Pflicht nicht, soweit sich die erforderlichen Aufwendungen nicht innerhalb angemessener Frist durch Einsparungen erwirtschaften lassen (§ 47 Abs. 4 GEG).

BAFA-Anforderung: U ≤ 0,14 W/(m²·K). GEG § 47: Nachrüstpflicht U ≤ 0,24 W/(m²·K). Den günstigsten Einstieg finden Sie im Artikel: Dachboden dämmen: Kosten und Förderung für die Dämmung der obersten Geschossdecke.

Kellerdecke und Boden

EPS-Platten sind die häufigste Wahl für die Kellerdeckendämmung: günstig, leicht und einfach zu verarbeiten. Wenn Brandschutz eine Rolle spielt, etwa bei Heizraum oder Treppenhaus, kommt Mineralwolle zum Einsatz. Die Platten werden von unten an die Decke geklebt und gedübelt.

Beachten Sie: Leitungen unter der Decke (Heizung, Wasser, Strom) müssen entweder in die Dämmebene einbezogen oder separat ummantelt werden. Sonst entstehen Wärmebrücken, die den Effekt der Dämmung erheblich mindern. Auch die lichte Kellerhöhe nach der Dämmung ist zu prüfen.

Für Bodenflächen gegen Erdreich und die Kelleraußenwand im Erdreich (Perimeterdämmung) gilt: Bei drückendem Wasser, Staunässe oder hoher Druckbelastung kommen nur dafür zugelassene, druckfeste und feuchtebeständige Dämmstoffe in Frage, häufig XPS oder Schaumglas. Die Eignung muss über das konkrete Produkt und die Einbausituation nachgewiesen werden. EPS ist nur bei nachweislich nicht drückendem Wasser zulässig. Mehr dazu: Kellerdeckendämmung: So dämmen Sie richtig und sparen Heizkosten.

BAFA-Anforderung: U ≤ 0,25 W/(m²·K). GEG Anlage 7: U ≤ 0,30 W/(m²·K) für Kellerdecken, U ≤ 0,50 W/(m²·K) für Fußbodenaufbauten gegen Erdreich. Es gibt für die Kellerdecke keine allgemeine Nachrüstpflicht. § 47 GEG betrifft die oberste Geschossdecke, nicht die Kellerdecke.

Innendämmung im Altbau

Wenn eine Außendämmung nicht möglich ist, etwa bei Denkmalschutz, Grenzbebauung oder erhaltenswerter Fassade, kommt die Innendämmung in Frage. Die Materialwahl ist hier besonders kritisch, weil die Dämmung den Taupunkt nach innen verschiebt, was zu Kondensat an der alten Wandoberfläche führen kann.

Kalziumsilikat-Platten (A1, nicht brennbar) sind kapillaraktiv und schimmelhemmend. Sie puffern Feuchtigkeit und leiten sie wieder ab, weshalb sie sich im Altbau mit feuchtebelasteten Wänden bewährt haben. Der höhere λ-Wert (0,050 bis 0,065 W/(m·K)) erfordert mehr Dicke als EPS, um denselben U-Wert zu erreichen. Holzfaser ist eine diffusionsoffene Alternative mit gutem Feuchtepuffer.

Bei der Innendämmung sollte vor der Ausführung immer bauphysikalisch geprüft werden, ob Tauwasser- oder Feuchterisiken entstehen. Je nach Wandaufbau, Schlagregenbelastung, Nutzung und Dämmstoff kann dafür ein Nachweis nach DIN 4108-3 oder eine hygrothermische Simulation nach WTA-Merkblatt sinnvoll oder erforderlich sein. Mein Tipp: Klären Sie die Feuchtefrage vor der Materialentscheidung, nicht danach. Details zur Planung: Wände von innen dämmen: Umsetzung, Kosten und typische Probleme.

BAFA-Anforderung für die Außenwand (gilt auch bei Innendämmung): U ≤ 0,20 W/(m²·K). GEG Anlage 7: U ≤ 0,24 W/(m²·K). Einschlägig bei Änderungsmaßnahmen ist § 48 GEG, nicht § 47 GEG.

Kerndämmung / Einblasdämmung im zweischaligen Mauerwerk

Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk haben oft Hohlräume von fünf bis sieben Zentimetern zwischen Innen- und Außenschale. Diese Hohlräume lassen sich durch Einblasen von Dämmstoffen füllen, ohne die Fassade zu verändern. Das ist die Kerndämmung, und sie gehört im Bestand zu den effizientesten Maßnahmen pro eingesetztem Euro.

Geeignete Dämmstoffe sind: Mineralwolle-Granulat, EPS-Perlen, Perlite, PU-Granulat und SLS (Silikat-Leichtschaum-Granulat). Diese Materialien sind hydrophob, setzungssicher und besitzen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für diese Anwendung. Zellulose ist für die Kerndämmung in geschlossenen Hohlräumen des zweischaligen Mauerwerks nicht geeignet: Bei Feuchteeinwirkung klumpt das Material, es entstehen Hohlräume und damit Wärmebrücken.

Für sehr schmale Hohlräume unter etwa drei Zentimetern kommen Spezialprodukte wie Aerogel-Granulat in Frage. Ab vier bis fünf Zentimetern sind Standardprodukte wirtschaftlich sinnvoll. Den vollständigen Ablauf und typische Probleme beschreibt: Einblasdämmung: Umsetzung, Kosten und typische Probleme.

BAFA-Anforderung für Wohngebäude: λ ≤ 0,035 W/(m·K) (BEG-EM-Richtlinie BAnz AT 29.12.2023 B1, Anlage 1). Steuerbonus § 35c EStG: ebenfalls λ ≤ 0,035 W/(m·K), strikt ohne Ausnahme (ESanMV Anlage 1). Zur GEG-Fußnote und der Förderfalle lesen Sie den nächsten Abschnitt.

BAFA-Förderung: Was wird gefördert, was nicht?

Für Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle bietet die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) einen Investitionszuschuss von 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Wer die Maßnahme als Bestandteil eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) umsetzt, erhält zusätzlich 5 Prozent Bonus und damit insgesamt 20 Prozent Förderung. Die Förderobergrenze liegt bei 30.000 Euro pro Wohneinheit ohne iSFP und bei 60.000 Euro mit iSFP. Das Mindestinvestitionsvolumen beträgt 300 Euro brutto (Quelle: BEG-EM-Richtlinie vom 21.12.2023, BAnz AT 29.12.2023 B1; BAFA-Programminformationen, jeweils aktuelle Fassung prüfen).

Für die Beantragung und den Nachweis ist ein Energieeffizienz-Experte aus der dena-Expertenliste einzubinden. Den iSFP als Fördergrundlage erklärt der Artikel: Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP): Ihr Fahrplan zur Modernisierung.

Wichtig: Es gibt keinen Aufschlag für ökologische oder nachwachsende Dämmstoffe. Holzfaser, Hanf und Zellulose werden genauso behandelt wie EPS oder Mineralwolle, solange die technischen Mindestanforderungen erfüllt sind.

U-Wert-Anforderungen je Bauteil

Die BAFA setzt in der BEG-EM-Richtlinie (BAnz AT 29.12.2023 B1) strengere U-Werte als das GEG. Für die Förderung müssen Sie also mehr leisten als für die gesetzliche Pflicht. Die Anforderungen je Bauteil im Überblick:

BauteilGEG Anlage 7 (gesetzliche Pflicht)BAFA-TMA (Fördervoraussetzung)
Außenwand (inkl. Innendämmung)U ≤ 0,24 W/(m²·K)U ≤ 0,20 W/(m²·K)
Dachschräge / SchrägdachU ≤ 0,24 W/(m²·K)U ≤ 0,14 W/(m²·K)
Oberste GeschossdeckeU ≤ 0,24 W/(m²·K)U ≤ 0,14 W/(m²·K)
Kellerdecke / Decke gegen unbeheizte RäumeU ≤ 0,30 W/(m²·K)U ≤ 0,25 W/(m²·K)
Bodenfläche gegen ErdreichU ≤ 0,50 W/(m²·K)U ≤ 0,25 W/(m²·K)
Kerndämmung (zweischaliges Mauerwerk)λ ≤ 0,045 W/(m·K) *λ ≤ 0,035 W/(m·K) (Wohngebäude)

* GEG Anlage 7, Fußnote 1: Bei Einblasdämmstoffen oder Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist λ ≤ 0,045 W/(m·K) zulässig, wenn der geometrisch fixierte Hohlraum keine größere Dämmschicht erlaubt. Diese Erleichterung gilt ausschließlich für die gesetzliche GEG-Anforderung, nicht für die BAFA-Förderung und nicht für den Steuerbonus.

Förderfalle: Naturdämmstoff in der Kerndämmung

Ein verbreiteter Irrtum: Viele nehmen an, dass die GEG-Erleichterung (λ ≤ 0,045 für Einblasen oder nachwachsende Rohstoffe) auch für die Förderung gilt. Das ist falsch. Die Konsequenz ist erheblich.

Die GEG-Erleichterung für Einblasdämmstoffe oder nachwachsende Dämmstoffe mit λ ≤ 0,045 bedeutet nicht automatisch, dass jedes Material für jede Hohlraumanwendung geeignet oder bauaufsichtlich zulässig ist. Für die Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk müssen wasserabweisende, setzungssichere und für diese Anwendung zugelassene Dämmstoffe eingesetzt werden. Wer einen Stoff mit λ > 0,035 verwendet, scheidet für die BAFA-Förderung und den Steuerbonus nach § 35c EStG aus (ESanMV Anlage 1, Punkt 1.2). Wer auf Förderung angewiesen ist, sollte deshalb auf Dämmstoffe mit λ ≤ 0,035 setzen, zum Beispiel EPS-Perlen (WLS 033) oder hydrophobiertes Mineralwolle-Granulat.

Mein Tipp aus der Praxis: Klären Sie die Materialwahl immer vor Baubeginn, am besten gemeinsam mit dem Energieberater und dem ausführenden Fachbetrieb.

Die häufigsten Fehler bei der Dämmstoffwahl

In meiner Beratungspraxis begegnen mir immer wieder dieselben Fehler. Sie kosten Eigentümer entweder Fördergelder oder führen zu bauphysikalischen Schäden.

Zellulose für die Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk. Zellulose ist ein hochwertiger Stoff für viele Anwendungen, im geschlossenen Hohlraum des zweischaligen Mauerwerks aber nicht geeignet. Bei Feuchteeinwirkung klumpt das Material, Hohlräume bleiben zurück und Wärmebrücken entstehen.

EPS bei Perimeterdämmung unter drückendem Wasser. EPS ist nur bei nachweislich nicht drückendem Wasser zulässig. Wer die Kelleraußenwand bei Grundwasser oder Staunässe mit EPS dämmt, riskiert Wasseraufnahme und dauerhaften Wärmeverlust. XPS oder Schaumglas sind hier die richtigen Materialien.

Innendämmung ohne bauphysikalische Feuchteprüfung. Die Innendämmung verändert das Feuchteregime der Außenwand grundlegend. Ohne Berechnung nach DIN 4108-3 oder hygrothermische Simulation ist nicht vorhersagbar, ob und wo Kondensat entsteht. Schimmel hinter der Dämmung ist die häufigste Folge dieses Fehlers.

Brandschutzvorgaben der Systemzulassung beim EPS-WDVS nicht beachtet. Je nach Gebäudehöhe, Dämmstoffdicke und System können Brandriegel, Sturzschutz oder andere konstruktive Maßnahmen erforderlich sein. Fehlen systemzulassungskonforme Brandschutzmaßnahmen, ist das WDVS bauaufsichtlich nicht zulässig.

Mythos: Fassadendämmung erhöht das Brandrisiko. Fachgerecht eingebaute Fassadendämmung erhöht das Brandrisiko bei Ein- und Zweifamilienhäusern nicht. Mineralwolle (A1) ist nicht brennbar, EPS mit gültiger Systemzulassung gilt als schwer entflammbar (B1). Brandentstehung in Wohngebäuden geht in der Regel von Holzelementen oder technischen Anlagen aus, nicht von der Fassadendämmung (Verbraucherzentrale, 24.07.2025).

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Häufige Fragen zur Dämmstoffwahl

Mineralwolle oder Styropor für die Fassade?

Für Ein- und Zweifamilienhäuser sind beide Materialien geeignet. EPS ist in der Regel günstiger und leichter zu verarbeiten. Mineralwolle (Steinwolle A1) ist nicht brennbar und hat bessere Schallschutzwerte. Beim EPS-WDVS müssen die Brandschutzvorgaben der Systemzulassung eingehalten werden. Für die meisten Altbauten im Bestand ist EPS die wirtschaftlichere Wahl, sofern keine besonderen Brandschutzanforderungen bestehen.

Welcher Dämmstoff eignet sich für die Dachschräge?

Bei ausreichender Sparrentiefe ist Mineralwolle-Klemmfilz für die Zwischensparrendämmung die wirtschaftlichste Lösung. Wenn die Sparren zu kurz für den BAFA-Zielwert von U ≤ 0,14 W/(m²·K) sind, kommen PUR/PIR-Platten als Aufsparrendämmung oder eine Kombination aus beiden Methoden in Frage. Die genaue Dämmdicke muss bauphysikalisch berechnet werden, weil der Holzanteil der Sparren den effektiven U-Wert beeinflusst.

Kann ich Zellulose für die Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk verwenden?

Nein. Zellulose ist für Kerndämmung in geschlossenen Hohlräumen des zweischaligen Mauerwerks nicht geeignet. Sie kann Feuchtigkeit aufnehmen, klumpen und Hohlräume hinterlassen. Geeignete Stoffe sind Mineralwolle-Granulat, EPS-Perlen, Perlite oder PU-Granulat, jeweils mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung für diese Anwendung.

Sind Naturdämmstoffe wie Holzfaser oder Hanf BAFA-förderfähig?

Ja, sofern die technischen Mindestanforderungen erfüllt sind. Es gibt keinen Bonus für ökologische Materialien, aber auch keinen Abzug. Holzfaser oder Hanf mit U ≤ 0,20 W/(m²·K) an der Außenwand sind genauso förderfähig wie EPS mit demselben Wert. Die Materialwahl hat auf die Förderhöhe keinen Einfluss (Quelle: BEG-EM-Richtlinie vom 21.12.2023).

Fazit

Die Wahl des richtigen Dämmstoffs ist keine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern eine bauphysikalische und förderrechtliche Entscheidung. EPS und Mineralwolle dominieren die Außenwand und das Dach, Kalziumsilikat und Holzfaser die Innendämmung, hydrophobe Granulate wie EPS-Perlen oder Mineralwolle-Granulat die Kerndämmung. Wer ökologische Alternativen wählt, muss prüfen, ob die λ-Werte und U-Werte für die Fördervoraussetzungen ausreichen.

Welche Maßnahmen für Ihr Gebäude sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge Sie sie angehen sollten, zeigt ein individueller Sanierungsfahrplan. Er ist die Grundlage für den 5-Prozent-Förderbonus und hilft Ihnen, Dämmung, Heizung und Fenster aufeinander abzustimmen. Einen vollständigen Überblick über die Möglichkeiten der energetischen Gebäudedämmung finden Sie in unserem Ratgeber: Haus dämmen: Wärmedämmung für mehr Energieeffizienz.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Inhalte sorgfältig geprüft, dennoch ohne Gewähr. Änderungen vorbehalten.

Über den Autor

Aaron Richter

In über 10 Jahren als Schornsteinfegermeister habe ich unzählige Gebäude in der Region Heilbronn kennengelernt. Im Jahr 2022 folgte die Gründung meiner eigenen Firma, um mein Wissen gezielt für Hausbesitzer einzusetzen. 

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