Eine Wärmepumpe in einem Altbau – geht das überhaupt? Diese Frage stellen sich viele Eigentümer älterer Häuser. Die gute Nachricht: In meiner Beratungspraxis erlebe ich regelmäßig, dass Wärmepumpen auch in Bestandsgebäuden effizient und wirtschaftlich arbeiten können. Entscheidend sind dabei weniger das Baujahr als vielmehr die richtige Planung und einige technische Voraussetzungen.
Dieser Ratgeber zur Wärmepumpe zeigt Ihnen, wann sich eine Wärmepumpe im Altbau lohnt, welche Voraussetzungen Ihr Haus für eine Wärmepumpe erfüllen sollte und wie Sie mit staatlicher Förderung von bis zu 70 Prozent der Kosten die Installation einer Wärmepumpe im Altbau wirtschaftlich gestalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Wärmepumpen im Altbau funktionieren: Feldstudien des Fraunhofer ISE belegen Jahresarbeitszahlen von 2,6 bis 4,9 bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand (Fraunhofer ISE, 2025)
- Keine Fußbodenheizung nötig: Normale Heizkörper reichen oft aus – entscheidend ist die Vorlauftemperatur von maximal 55 °C
- Hohe Förderung verfügbar: Bis zu 70 % Zuschuss über die KfW möglich, maximal 21.000 Euro pro Wohneinheit (KfW 458)
- Dämmung verbessert Effizienz: Schon einfache Maßnahmen wie die Dämmung der obersten Geschossdecke senken den Wärmebedarf erheblich
- Einfacher Praxistest: An einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur auf 50-55 °C begrenzen – wird das Haus warm, ist Ihr Altbau geeignet
Ist eine Wärmepumpe im Altbau sinnvoll?
Das Thema Wärmepumpe beschäftigt derzeit viele Hausbesitzer. Dabei hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass eine Wärmepumpe nur im Neubau funktioniert. Aktuelle Feldmessungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE widerlegen diese Annahme jedoch eindeutig.
Im November 2025 veröffentlichten Forschungsprojekt „WP-QS im Bestand” untersuchten die Wissenschaftler 77 Wärmepumpen in Einfamilienhäusern mit Baujahren von 1826 bis 2001. Das Ergebnis: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,4 – eine Steigerung gegenüber früheren Studien. Die CO2-Emissionen lagen um 64 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Gasheizungen (Fraunhofer ISE, November 2025).
Eine Wärmepumpe im Altbau ist sinnvoll, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sind. Der wichtigste Faktor ist dabei nicht das Gebäudealter, sondern die benötigte Vorlauftemperatur zum Heizen. Je niedriger diese Temperatur liegt, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe und desto niedriger bleiben Ihre Stromkosten.
Viele Altbauten sind heute mit überdimensionierten Gas- oder Ölkesseln ausgestattet. Diese Heizungen leisten deutlich mehr, als das Gebäude tatsächlich braucht. Beim Umstieg auf eine Wärmepumpe kann die Vorlauftemperatur häufig allein durch eine bessere Einstellung der Anlage sinken.
Welche Voraussetzungen muss Ihr Haus für eine Wärmepumpe erfüllen?
Für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe im Altbau sollten folgende Voraussetzungen geprüft werden:
Vorlauftemperatur unter 55 °C: Diese Schwelle gilt als kritischer Punkt. Bis zu dieser Temperatur arbeiten moderne Wärmepumpen noch wirtschaftlicher als eine Gasheizung. Liegt Ihr Altbau darüber, steigen die Stromkosten überproportional an.
Ausreichende Heizflächen: Ihre alten Heizkörper müssen groß genug dimensioniert sein, um die Räume auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen warm zu bekommen. Die Fraunhofer-Studie zeigte: Ausreichend dimensionierte Heizkörper können im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden wie Fußbodenheizungen.
Heizwärmebedarf im Rahmen: Als grober Richtwert empfiehlt das Fraunhofer ISE einen Heizwärmebedarf von maximal 150 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Bei deutlich höheren Werten wird jede Heizung ineffizient – dann lohnen sich zunächst Dämmmaßnahmen.
Elektrische Voraussetzungen: Für die meisten Wärmepumpen benötigen Sie einen 400V-Drehstromanschluss. Gegebenenfalls ist eine Modernisierung des Zählerschranks erforderlich.
Vorlauftemperatur und Heizkörper: Warum sie entscheidend sind
Die Vorlauftemperatur ist der Schlüsselfaktor für die Effizienz einer Wärmepumpe. Sie gibt an, wie warm das Heizwasser sein muss, bevor es in die Heizkörper strömt.
Die Faustregeln lauten:
- 30–40 °C Vorlauftemperatur: Optimaler Effizienzbereich, meist mit Fußbodenheizung erreichbar
- 40–55 °C: Wirtschaftlicher Betrieb einer Wärmepumpe ideal, auch mit Heizkörpern möglich
- Über 55 °C: Zunehmend unwirtschaftlich, hohe Vorlauftemperaturen erfordern Sonderlösungen
Jedes Grad Celsius mehr an Vorlauftemperatur erhöht den Energiebedarf der Wärmepumpe um etwa 2 bis 2,5 Prozent. Diese Faustregel verdeutlicht, warum die Absenkung der Vorlauftemperatur so wichtig ist.
Die gute Nachricht: Eine Fußbodenheizung ist kein Muss. Viele bestehende Heizkörper in Altbauten sind ausreichend dimensioniert. Sollten Ihre Heizkörper zu klein sein, können Sie diese gegen Niedertemperatur-Heizkörper tauschen, die auch mit geringeren Vorlauftemperaturen effizient heizen.
Praxistest für Ihr Haus: Wählen Sie einen kalten Wintertag und begrenzen Sie die Vorlauftemperatur Ihrer bestehenden Heizung auf 50-55 °C. Drehen Sie dann alle Thermostate auf. Wird das Haus angenehm warm, kann sich eine Wärmepumpe in Ihrem Altbau lohnen.
Welche Wärmepumpe eignet sich für den Altbau?
Bei der Wahl der richtigen Wärmepumpe für Ihren Altbau stehen verschiedene Systeme zur Verfügung. Jede Art der Wärmepumpe hat dabei spezifische Vor- und Nachteile.
Luft-Wasser-Wärmepumpe: Für den Altbau ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe meist die erste Wahl. Sie nutzt die Außenluft als Wärmequelle und lässt sich ohne aufwendige Erdarbeiten installieren. Die Anschaffungskosten sind vergleichsweise niedrig, und der Einbau einer Wärmepumpe ist unkompliziert. Moderne Geräte erreichen auch bei Minusgraden noch gute Effizienzwerte. Was Sie bei der Installation einer Wärmepumpe nach GEG 2025 beachten müssen, erfahren Sie in unserem Ratgeber.
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme): Diese Wärmepumpen nutzen die konstante Temperatur im Erdreich und arbeiten daher besonders effizient. Im Fraunhofer-Feldtest erreichten Erdwärmepumpen JAZ-Werte von 3,6 bis 5,4 (Fraunhofer ISE). Allerdings erfordern sie Erdbohrungen oder Flächenkollektoren, was die Installation der Wärmepumpe aufwendiger und teurer macht.
Hochtemperatur-Wärmepumpen: Speziell für Altbauten ohne Dämmung konzipiert, erreichen diese Modelle Vorlauftemperaturen von bis zu 70 oder 75 °C. Sie ermöglichen den Betrieb auch mit bestehenden Heizkörpern, die hohe Vorlauftemperaturen benötigen. Die Effizienz ist mit einer Jahresarbeitszahl von etwa 2-3 geringer als bei Standardmodellen, aber in manchen Fällen die einzige praktikable Lösung.
Hybrid-Wärmepumpe: Eine umweltfreundliche Wärmepumpe lässt sich auch mit einem bestehenden Gaskessel kombinieren. Die Wärmepumpe deckt dabei die Grundlast bei milden Temperaturen ab. Nur an sehr kalten Tagen schaltet sich der Gaskessel zur Spitzenlastdeckung hinzu. Diese Lösung eignet sich besonders für den sanierten Altbau als Übergangslösung.
Wärmepumpenheizung im Altbau effizient betreiben
Damit Ihre Wärmepumpe im Altbau effizient arbeitet, sollten Sie einige Optimierungsmaßnahmen umsetzen:
Hydraulischer Abgleich: Diese Maßnahme ist Pflicht für die Förderung (KfW 458). Sie sorgt dafür, dass alle Heizkörper gleichmäßig mit Wärme versorgt werden. Dadurch kann die Vorlauftemperatur oft um mehrere Grad gesenkt werden. Die Kosten liegen zwischen 500 und 1.500 Euro.
Heizkörper-Check: Prüfen Sie, ob Ihre vorhandenen Heizkörper für niedrige Vorlauftemperaturen ausreichen. In zwei bis drei Haupträumen können größere Heizkörper die Effizienz deutlich steigern und die Vorlauftemperatur um 5-10 °C senken.
Teilsanierung der Gebäudehülle: Schon kleinere Dämmmaßnahmen verbessern die Voraussetzungen erheblich. Die Dämmung der obersten Geschossdecke kostet etwa 30-50 Euro pro Quadratmeter und senkt den Wärmebedarf spürbar. Auch neue Fenster und Türen reduzieren Wärmeverluste deutlich, sodass weniger Heizenergie verloren geht.
Absenkung der Vorlauftemperatur: Nach jeder energetischen Verbesserung sollten Sie die Vorlauftemperatur Schritt für Schritt absenken. Bereits ein Grad weniger bringt etwa 2,5 Prozent Effizienzsteigerung. So arbeitet die Wärmepumpe tatsächlich optimal.
Stromverbrauch einer Wärmepumpe im Bestand
Der Stromverbrauch ist für viele Hausbesitzer ein entscheidendes Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen eine Wärmepumpe. Die Betriebskosten einer Wärmepumpe hängen dabei von mehreren Faktoren ab.
Typische Verbrauchswerte: In einem 150-Quadratmeter-Altbau verbraucht eine Wärmepumpe jährlich etwa 5.000 bis 7.500 kWh Strom. Das entspricht ungefähr 35-50 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche. Zum Vergleich: Gegenüber einer Gasheizung benötigt die Wärmepumpe für dieselbe Wärmemenge deutlich weniger Primärenergie.
Jahresarbeitszahl als Effizienzmaß: Die Jahresarbeitszahl (JAZ) zeigt, wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet. Eine JAZ von 3,5 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen 3,5 Kilowattstunden Wärme. Im Altbau sind laut Fraunhofer ISE Werte zwischen 2,6 und 4,9 realistisch – abhängig von der Vorlauftemperatur und dem Dämmzustand.
Stromkosten im Überblick: Mit einem speziellen Wärmepumpentarif von etwa 25-30 Cent pro kWh ergeben sich jährliche Stromkosten von 1.250 bis 2.250 Euro. Bei normalem Haushaltsstrom (ca. 36 Cent/kWh) liegen die Betriebskosten der Wärmepumpe bei 1.800 bis 2.700 Euro.
Einsparpotenzial mit Photovoltaik: In Kombination mit einer eigenen Photovoltaikanlage sinken die Stromkosten nochmals um 25-40 Prozent. Eine Wärmepumpe mit Photovoltaik ist daher die wirtschaftlichste Lösung für den langfristigen Betrieb im Altbau.
Was kostet eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?
Die Investition in eine neue Wärmepumpe für den Altbau ist zunächst höher als bei einer konventionellen Heizung. Dank staatlicher Förderung und niedrigerer Betriebskosten rechnet sich der Einbau jedoch meist innerhalb weniger Jahre.
Kostenübersicht vor Förderung:
| Kostenart | Preisspanne |
|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe (Gerät) | 9.000 – 15.000 € |
| Installation und Zubehör | 6.000 – 12.000 € |
| Komplettpaket inkl. Einbau | 27.000 – 50.000 € |
| Hydraulischer Abgleich | 500 – 1.500 € |
| Ggf. neue Heizkörper | 300 – 800 € pro Stück |
Förderung reduziert die Kosten erheblich: Die KfW fördert den Heizungstausch mit dem Programm 458 mit bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Bei maximal 30.000 Euro förderfähigen Kosten pro Wohneinheit bedeutet das einen maximalen Zuschuss von 21.000 Euro (KfW Merkblatt 458).
Die Förderung setzt sich wie folgt zusammen:
- Grundförderung: 30 % für alle klimafreundlichen Heizungen
- Klimageschwindigkeitsbonus: +20 % beim Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung (bis Ende 2028 in voller Höhe)
- Effizienzbonus: +5 % für Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln oder Erd-/Wasserwärmequelle
- Einkommensbonus: +30 % bei Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro (nur für Selbstnutzer)
Rechenbeispiel: Bei einer Investition von 30.000 Euro und einer Förderung von 70 Prozent verbleiben nur 9.000 Euro Eigenanteil. Eine Wärmepumpe ab diesem Preis ist damit nicht teurer als eine neue Gasheizung – bei deutlich niedrigeren laufenden Kosten.
Der Einbau einer Fußbodenheizung ist übrigens nur in wenigen Fällen notwendig. Die damit verbundenen hohen Kosten lassen sich oft vermeiden, wenn die vorhandenen Heizkörper ausreichend dimensioniert sind.
Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau? Fazit und Empfehlung
Die Frage „Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?” lässt sich nicht pauschal beantworten – aber in den meisten Fällen mit Ja. Die Eignung einer Wärmepumpe hängt weniger vom Gebäudealter ab als von der erreichbaren Vorlauftemperatur und dem energetischen Zustand des Hauses.
Das Fraunhofer ISE fasst zusammen: „Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass Wärmepumpen auch in älteren Gebäuden effizient betrieben werden können, ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert werden müssen.”
Wärmepumpe lohnt sich besonders, wenn:
- Ihre aktuelle Vorlauftemperatur unter 55 °C liegt oder dahin gesenkt werden kann
- Ihre Heizkörper ausreichend groß dimensioniert sind
- Sie von den aktuellen Förderungen profitieren können
- Sie langfristig von fossilen Brennstoffen unabhängig werden möchten
Eher ungünstig ist eine Wärmepumpe, wenn:
- Hohe Vorlauftemperaturen über 65 °C zwingend erforderlich sind
- Keine Dämmmaßnahmen geplant oder möglich sind
- Der Heizwärmebedarf extrem hoch ist (über 150 kWh/m²a)
Für eine fundierte Entscheidung empfehle ich eine professionelle Energieberatung. Ein Energieberater kann Ihren individuellen Fall analysieren, die Heizlast berechnen und verschiedene Lösungen vergleichen. So finden Sie die richtige Wärmepumpe für Ihren Altbau – und wissen genau, welche Maßnahmen sich in Ihrem Fall am besten rechnen.
Mit der richtigen Planung und Umsetzung ist die Wärmepumpe auch im Altbau eine zukunftssichere Investition. Sie nutzen erneuerbare Energien, senken Ihre Heizkosten und erfüllen bereits heute die gesetzlichen Vorgaben. Dank Förderungen von bis zu 70 Prozent der Kosten war der Umstieg noch nie so attraktiv wie jetzt.
Sie möchten mehr über die gesetzlichen Anforderungen erfahren?
Lesen Sie hier den vollständigen Überblick zum Gebäudeenergiegesetz 2025 (GEG)



